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Bestattungsanhänger – warum nicht?

Sie prägten ehemals in den Städten und unseren Dörfern das Bild der Sargtransporte – die handgezogenen Wagen und die Pferdekutschen. Es folgten einige Jahre später die Bestattungsanhänger, heute sind es überwiegend die Bestattungskraftwagen, die bei Beerdigungen ihren Einsatz finden. Die Anschaffung eines eigenen Bestattungswagens lohnte sich für viele Unternehmen nicht. Die Anhänger waren wesentlich preisgünstiger, gezogen in der Regel vom Firmenauto, bei Bedarf wurde er angehängt und fand nach der Nutzung seinen Unterstand in der Garage.

Bildnachweise: Bestattungen Lauer

Ein Fan gerade der historischen Bestattungsanhänger ist Peter Lauer, Jahrgang 1963, aus Wadern-Steinberg im Saarland. Er hat mittlerweile seinen Beruf zum Hobby gemacht. Der gelernte Schreiner entstammt aus einem Familienbetrieb (Schreinerei und Bestattungsinstitut), mit einer mehr als 120jährigen Tradition, der jetzt von seinem Bruder Matthias geführt wird. Täglich mit dabei ist immer noch der 82jährige Vater. Nach seiner Schreinerlehre legte Sohn Peter im Jahr 1985 die Meisterprüfung ab. Leider ist er heute aus gesundheitlichen Gründen im Vorruhestand. Leidenschaftlich widmet er sich nun den Bestattungsanhängern und versucht diese zu retten, damit so wenig wie möglich verschrottet oder zu Wohn- oder Campinganhänger umgebaut werden. Gerne steht er jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, wenn sich Liebhaber dieser nostalgischen Transportfahrzeuge bei ihm melden. „Ich führe weder ein Museum oder einen Fahrzeughandel, noch habe ich ein Fahrzeuglager“, betont der 58jährige Schreinermeister und hebt hervor, dass dies alles auf freier Basis abläuft und er sich einfach nur um die alten Modelle „kümmern“ möchte. Deshalb wurde von ihm eine private Internetseite erstellt, mit großem Erfolg, ein Nachschlagewerk sozusagen. Es erreichen ihn ständig Anfragen, mittlerweile aus ganz Europa oder sogar aus den USA, wie er berichtet. In den zurückliegenden Jahren sammelten sich natürlich auch Ersatzteileile an, Türen/Klappen, Griffe mit Schlüssel, Heckleuchten, Kennzeichenleuchten, Verglasungen, Dichtungen usw. Oft Dinge, die schon lange von den Herstellern   nicht mehr produziert werden. Auch damit konnte er schon manchem helfen.

Peter Lauer berichtet, dass aus einer täglichen Begegnung aus Kindheitstagen, eine Leidenschaft zu dem Bestattungsanhänger wurde. „Ich begegnete in der Garage doch täglich dem dort geparkten Westfalia Typ 250G, der nur für die Bestattungen genutzt wurde. Eigentlich nichts Besonderes, doch in späteren Jahren, als ich selbst mit anpackte und täglich damit konfrontiert wurde, Verstorbene zu bestatten, entwickelte sich in den 80er Jahren die Leidenschaft, wieder einen Anhänger zu fahren, genauso wie er damals in der Garage stand“, erklärt Lauer. Sein Opa hatte ihn 1958 neu gekauft, 1977 wurde er veräußert, da der Zahn der Zeit an ihm genagt hatte. Ein neuer Wagen wurde angeschafft, ein Modell Meier Burgstemmen, was aber bei Peter Lauer nicht auf Gegenliebe stieß. Er wollte gerne den gleichen Typ sein Eigen nennen, so wie er damals in der Garage stand. Er machte sich auf die Suche, und fand tatsächlich den Anhänger, der in einem Bestattungsinstitut    ausgemustert wurde. „Er war genau ein Jahr jünger wie ich - auf den Tag genau. Ein Lackiercenter in der Nähe brachte ihn auf Vordermann und meine Mutter musste Gardinen nähen. Es sollte ein echt toller Anhänger werden und das wurde es auch“, berichtet der Liebhaber alter Modelle voller Stolz (siehe Foto Charon).

„Und auch heute ist meine Devise, nicht das neuste Modell macht den guten Bestatter aus, nein die Leistung, die erbracht wird, ist es doch - die pietätvolle und gute Betreuung der Hinterbliebenen und durch die Versorgung des Verstorbenen diesem die letzte Ehre zu erweisen. Schade, dass diese Tradition, das Fahren mit Anhänger von vielen Kollegen so ins lächerliche gezogen wird. In Deutschland wirbt nur noch ein Hersteller, für moderne große Anhänger. Natürlich ist es schwieriger in größeren Städten heute durch die Parkplatzsituation mit einem Bestattungsanhänger zu fahren, auch die vorgeschriebenen 80 km/h sind ein Problem, dennoch kein Grund es nicht doch zu tun, ich würde es jederzeit immer wieder tun“, wirbt Nostalgiker Peter Lauer für die Bestattungsanhänger.  Er hat sich    mit vielen Bestattern in Deutschland Stunden telefoniert, denn keiner hat sich so wie er mit dem Thema beschäftigt. Deshalb gab man ihm mal in einem Forum den Titel "Leichenanhänger-Papst". Des Weiteren wurde er vor kurzem von einem pensionierten Kinderarzt, der als Hobby auch Westfalia Anhänger als Bestattungsanhänger in seiner Sammlung hat u.a. gebeten, doch ein Buch zu schreiben. Gedanken dazu hat Peter Lauer.

Zustimmung und Unterstützung findet er zu dieser Thematik bei der Bestatterinnung Saarland. Auch die Bundesfachgruppe Bestatter hat sich mittlerweile diesem Thema  angenommen. „Aus Sicht der saarländischen Ausschussmitglieder spricht weder aus hygienischer Sicht noch aus Pietätsgründen etwas gegen die Verwendung eines Bestattungsanhängers. Daher soll das Anliegen im Rahmen der Novellierung des Bestattungsgesetzes im Saarland weiterverfolgt werden“ hebt Fachgruppenvorsitzender Peter Schneider hervor. Geschäftsführer Michael Peter verweist auf die derzeitige Fassung des saarländischen Gesetzes: „Laut der aktuellen Fassung sind grundsätzlich Bestattungskraftwagen gemäß der einschlägigen DIN-Bestimmungen vorgeschrieben und nur in Ausnahmefällen können die Ortspolizeibehörden andere Transportmittel zulassen. Das erscheint uns als zu umständlich. Ziel soll es sein, dass Bestattungsanhänger generell zulässig sind.

Inwieweit Bestattungsanhänger ein zulässiges Transportmittel für Leichen darstellen, war auch Diskussionsthema der jüngsten Zusammenkunft der Bundesfachgruppe Bestatter. Denn andere Bestatterverbände möchten nur Leichentransporte mit Bestattungskraftfahrzeugen gemäß DIN zulassen und keine Bestattungsanhänger. Hintergrund sei, dass auf diese Art und Weise kleinere Schreiner-Bestatter vom Markt verdrängt werden sollen, weil sich für diese oft die Anschaffung eines Bestattungskraftwagens nicht rechnet. „Es gibt aber keine rationalen Argumente gegen Bestattungsanhänger; sie sind zwar aus der Mode gekommen, aber gerade auch aus hygienischer Sicht manchmal die bessere Lösung,“ erläutert Franz-Josef Grundmann, Vorsitzender der Bestatterfachgruppe auf Bundesebene.

Link: https://bestattungsanhaenger.hpage.com/