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Corona und kein Ende - Sind Bestatter besonders gefährdet?

Seit fast zwei Jahren hat nun Corona die Welt im Griff. Als die Pandemie im März 2020 auch in Deutschland zunahm, war die Unsicherheit gerade auch für Bestatter sehr groß. Zum einen stieg die Übersterblichkeit und man konnte nur schwer einschätzen, wie dies die Kapazitäten bei Bestattern und Krematorien beeinflusst und zum anderen hatten die Bestatter ja direkt mit den Corona-Toten zu tun – und damit mit der Angst, im Umgang mit den Verstorbenen selbst angesteckt zu werden. Theoretisch waren sich die Mediziner einig, dass auch von Corona-Toten noch eine Tröpfcheninfektion durch Öffnungen der Atemwege sowie eventuelle Schmierinfektionen durch Hautkontakt möglich sind. Dies trifft bei der Versorgung der Verstorbenen zu und im weitaus höheren Maße bei Obduktionen.

Bildnachweis: Maskmedicare Shop/Unsplash

Nach den nunmehr mehrjährigen Erfahrungen in der Pandemie hat sich das Bild, welche Infektionsgefahren durch die bestattertypischen Dienstleistungen etwas geklärt. Die allgemeinen Schutzempfehlungen des RKI aus dem Frühjahr 2020 im Umgang mit den Verstorbenen wurden noch Mitte Januar dieses Jahres erneut bestätigt. Durch verschiedene Untersuchungen konnte zudem genauer ermittelt werden, worin die wesentlichen Risiken beim Umgang mit Corona-Toten bestehen. In Frankfurt und Hamburg wurden bei der Obduktion und hygienischen Versorgung von infizierten Leichen vielfältige Proben an Haut und Körperöffnungen genommen und analysiert. Dabei wurden zwar regelmäßig auch Viruspartikel nachgewiesen. Es gelang aber nicht, diese im Labor zur Reproduktion zu bewegen. Dies belegt, dass durch bloße Berührungen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Übertragung von Corona-Viren durch Verstorbene auf die Mitarbeiter im Bestattungs- und Friedhofsbereich möglich ist. Parallel wurde auch Blutteste bei diesen Mitarbeitern genommen, um zu überprüfen, ob sie im höheren Maße als in der Allgemeinbevölkerung von Corona-Infektionen betroffen waren. Viele Befragte hatten den Verdacht, dass sie bereits eine nicht diagnostizierte Corona-Infektion durchgemacht hatten. Doch die Analyse der Blutproben ergab, dass lediglich zwei Prozent der Untersuchten bereits Antikörper gegen das Virus hatten. Diese Quote ist ähnlich hoch wie beim Bevölkerungsdurchschnitt. Dieses Ergebnis untermauert noch einmal die Erkenntnis, dass das Risiko einer Ansteckung beim sachgemäßen und professionellen Umgang mit den Verstorbenen nicht so hoch ist wie noch zu Beginn befürchtet.

In Frankfurt wurden darüber hinaus auch Proben von Organen und inneren Atemwegen bei Obduktionen genommen, die von Corona-Toten stammten. Dabei konnte dann durchaus festgestellt werden, dass die Viruspartikel aus den tieferen Rachen-, Luftröhren- und Lungenbereich auch bis zu 2 Wochen nach dem Todeseintritt im Labor aktiviert werden konnten. Während also eine Corona-Infektion infolge Berührung der Körperoberfläche eines Leichnams sehr unwahrscheinlich ist und bislang noch in keinem einzigen Fall nachgewiesen werden konnte, ergeben sich deutlich höhere Infektionsrisiken bei der Leichenöffnung und inneren Leichenschau. Von den Mitarbeitern des Instituts für Rechtsmedizin in Hamburg und Frankfurt wurde deshalb genauer mittels Bluttests und Befragung die Infektionshäufigkeit durch Corona analysiert. Obwohl diese Mitarbeiter bei vielen hunderten Corona-Toten zugegen waren, wurde in beiden Städten jeweils nur bei einer Person eine überstandene Virusinfektion nachgewiesen. Dies entspricht anteilsmäßig recht genau dem Bundesdurchschnitt in der Gesamtbevölkerung.

Der Verband der Lungenärzte veröffentlicht dazu, dass die Infektionsrisiken bei Corona-infizierten Toten weitestgehend denen einer normalen Influenza entsprechen. Auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Bayern stellt heraus, dass von Verstorbenen, die an COVID 19 erkrankt waren, aus hygienischer Sicht keine über die allgemeine Infektionsgefährdung hinausgehende zusätzliche Gefahr für den Umgang mit Verstorbenen ausgeht. Das RKI bleibt aber dabei, das Corona-Virus als eine Infektion der Risikogruppe 3 einzustufen. Neben den üblichen Basismaßnahmen beim hygienischen Umgang mit Verstorbenen gelten deshalb darüber hinaus folgende Empfehlungen:

  1. FFP2-Maske zum Atemschutz
  2. Augen- und Gesichtsschutz
  3. Bodybags beim Transport

Landesrechtlich wird die Verwendung von Bodybags bei der Erdbestattung unterschiedlich festgelegt. In NRW sollen nach Mitteilung des MAGS keine Leichenhüllen aus Kunststoff verwendet werden, um den Verwesungsprozess nicht unangemessen zu verzögern. In anderen Bundesländern wird u. a. auch wegen der Umweltproblematik der Bodybags verlangt, dass die Verstorbenen stattdessen mit in Desinfektionslösung getränkten Tüchern verhüllt werden.

Nach allen bisherigen Erfahrungen und den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist eindeutig, dass von Covid19-Viren ein der Influenza vergleichbares erhöhtes Infektionsrisiko einhergeht. Dem kann mit bekannten und praktisch erprobten persönlichen Schutzmaßnahmen und angemessener Desinfektion begegnet werden, um eine gefahrlose hygienische Versorgung der Verstorbenen sowie eine persönliche Abschiednahme der Angehörigen zu ermöglichen. Auch in Covid19-Zeiten kann eine würdevolle Bestattung möglich gemacht werden. (hh)

Empfehlung im Umgang mit SARS-CoV-2-infizierten Verstorbenen des RKI (hier)