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Beamter + Bergmann = Bestatter Schido & Tomczyk

Im kleinen Großrosseler Ortsteil Dorf im Warndt haben zwei ehrgeizige Nebenberufler ein innovatives Bestattungsunternehmen etabliert – in einem ehemaligen Schlecker-Ladenlokal.

Bildnachweis: HKH Saar

Ein Bild für die Götter: Gedankenverloren und mit einer nicht zu übersehenden Freude tanzt eine junge Frau am offenen Fenster zu wummernden Hip-Hop-Beats und ahnt nicht, dass sie gesehen und Teil einer Geschichte wird. Lebensfreude pur an einem ganz und gar ungewöhnlichen Ort für solch eine Szene. Aber so ist das Leben. Freud und Leid liegen meist so nah beieinander, getrennt nur durch eine Zimmerdecke: Unten ein Bestattungsunternehmen, oben die Wohnung einer lebenslustigen Mieterin.

Wir sind im Großrosseler Ortsteil Dorf im Warndt in dem sehr geschmackvoll eingerichteten und großzügig bemessenen Bestattungsunternehmen von Friedrich Schido und Thomas Tomczyk. Der ehemalige Bergarbeiter und der beamtete Brandermittler beim Landeskriminalamt (LKA) haben sich vor 18 Jahren nebenberuflich selbstständig gemacht und mit der Zeit ein stattliches Bestattungsunternehmen aufgebaut. Sie kennen sich seit Kindertagen, waren Nachbarn und ergänzen sich prima, wie sie selbst sagen. Friedrich Schido arbeitet nach seiner Karriere bei Saarberg heute in der Müllverbrennungsanlage im nahen Velsen im Dreischichtbetrieb, sodass er sich immer mit seinem Kollegen und Teilhaber Thomas Tomczyk zeitlich abstimmen kann: „Einer von uns hat immer Zeit“, wenn es einen Sterbefall gibt.

Und davon haben sie rund 80 im Jahr zu betreuen, was dafür spricht, dass sich im Warndt herumgesprochen hat, dass sich hier ein Bestatter etabliert hat, der gute Arbeit zu fairen Preisen macht. „Das ist uns ganz wichtig“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Tomczyk. „Für uns als Bestattungshaus auf dem Land ist es ganz wichtig, mit den Menschen offen und ehrlich umzugehen und preislich immer transparent zu sein“, sagt der 55-jährige LKA-Beamte, der gebürtig aus Wuppertal stammt, wie seine eindeutige nichtsaarländische Ausdrucksweise unfreiwillig verrät.

„Versteckte Kosten gibt es bei uns nicht, wir wollen unsere Kunden immer fair behandeln, denn das ist die Grundlage für ein dauerhaft gutes Geschäft.“ Und dafür haben die beiden ein Näschen, wie die neuen Räumlichkeiten erkennen lassen. Aber wie sind sie überhaupt auf die Idee gekommen, sich ausgerechnet als Bestatter ein zweites berufliches Standbein aufzubauen? „Als irgendwann klar war, dass der Steinkohlebergbau im Saarland vor dem Aus steht, musste ich mich ja nach Alternativen umsehen. Ich habe dann einige Jahre für den Ludweiler Bestatter Manfred Duchene gearbeitet“, sagt Friedrich Schido und vergisst nicht zu erwähnen, dass diese Tätigkeit für ihn entscheidend war, selbst Bestatter zu werden. 2004 war dann der Zeitpunkt zur Firmengründung gekommen. Schnell war das Bestattungshaus Schido & Tomczyk über die Ortsgrenzen hinaus bekannt und genießt noch heute einen guten Ruf.

Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass man als grenznaher Betrieb auch schon mal eine Ascheausstreuung in Frankreich macht und gerne und gut eng mit einem Partnerbestatter aus Petite- Rosselle zusammenarbeitet. Auch Überführungsfahrten – etwa nach Innsbruck, Essen oder auch mal nach Holland – gehören zum Dienstleistungsangebot des stetig wachsenden Bestattungshauses Schido & Tomczyk. Apropos wachsen. Erst kürzlich wurde mit einem zünftigen Tag der offenen Tür die Einweihung der neuen Räumlichkeiten bei Bier und Erbsensuppe gebührend gefeiert. Und das zu Recht, denn diese Betriebsstätte hat es in sich. Allein schon die Geschichte! Was früher ein Dorfkaufhaus, dann eine Edeka- Filiale und schließlich ein heruntergekommener Schlecker-Laden war, ist heute eine wahrlich geschmackvoll gestaltete Trauerhalle mit viel Licht, Glaskunst und Technik, in der sich bis zu 50 Personen mit Abstand von ihrem Verstorbenen verabschieden können – und dies auch gerne tun, wie die beiden Bestattungsunternehmer verraten.

Hinter der Trauerhalle wartet noch eine angemessen große und übersichtliche Ausstellung von Erdmöbeln und Urnen, die von der dörflich geprägten Kundschaft gerne zur Meinungsbildung genutzt wird, wie Thomas Tomczyk verrät. Auch verrät er, dass ein jahrelanger Kampf mit den Behörden einer früheren Einweihung der neuen Räumlichkeiten massiv im Wege gestanden hat. „Zwar hat das Gebäude zuvor jahrelang leer gestanden und war eher ein Schandfleck in der Straße, aber eine Nutzung als Bestattungsunternehmen wollte man uns partout nicht genehmigen, weil die Gegend hier nicht als handwerksähnliches Gewerbegebiet ausgewiesen war. So mussten wir jahrelang mit der Unteren Bauaufsichtsbehörde streiten und Überzeugungsarbeit leisten, bis schließlich der Bebauungsplan geändert wurde“, sagt Thomas Tomczyk und kann sich eine Spitze dann doch nicht verkneifen: „Wir machen hier jetzt Bestattungen trotz Bürokratie“, sagt der Beharrliche mit einem Siegerlächeln im Gesicht.

Und die Pandemie? „War für uns eigentlich weniger das Problem, nur eins ist bemerkens- und erwähenswert: Behördengänge gehen plötzlich online!“ Was auch zur Entlastung seiner Ehefrau Margit beiträgt, die für die Büroleitung zuständig ist und neben zwölf freiberuflichen Sargträgern zur Belegschaft des Bestattungshauses Schido & Tomczyk gehört. Margit Tomczyk und Friedrich Schidos Ehefraug Anja sind nach anfänglicher Skepsis über die Pläne ihrer Männer, ins Bestattungsgeschäft einsteigen zu wollen, heute sehr froh, diesen Schritt mitgetragen zu haben. Ihre tanzende Mieterin ein Stockwerk höher dürfte ebenfalls froh sein, dass die Familien Schido und Tomczyk die Immobilie wieder sinnvoll nutzbar gemacht haben…

 

Mehr Infos und Kontakt:

Bestattungshaus Schido & Tomczyk

Inhaber: Friedrich Schido und Thomas Tomczyk

Friedrich-Ebert-Straße 2, 66352 Großrosseln-Dorf im Warndt,

Telefon: 06809-702651

E-Mail: thomastomczykt-online.REMOVE-THIS.de

Internet: www.schidotomczyk.de