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Bestatter und Tischler im gleichen Maße

Zusammen mit dem Berliner Bestatter Jochen Hohmann rückte Carsten Kuhlmann aus Niedersachsen im Frühjahr 2019 als einer von fünf Beisitzern neu in den Fachausschuss der Bundesfachgruppe Bestatter. Nachdem sein Berliner Kollege bereits im August an dieser Stelle porträtiert wurde, folgt hier eine ausführliche Vorstellung des zweiten neuen Mitglieds des siebenköpfigen Gremiums.

Bildnachweis: Kuhlmann

Bestatter betreiben ihr Gewerbe sehr häufig über mehrere Generationen hinweg. Das gilt für Carsten Kuhlmann, dessen Betrieb in der in der Nähe von Hameln und Hildesheim gelegenen niedersächsischen Gemeinde Negenborn mittlerweile auf eine Historie von über 140 Jahren zurückblicken kann, in besonderem Maße. Der Weg, der Kuhlmann mit einer Tischlerausbildung 1987 in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters und Großvaters geführt hat, war bei dem Schreiner und Bestatter schon im Kindesalter vorgezeichnet. „Man wächst als Sohn eines Bestatters sicherlich anders auf als andere Kinder. Viele erleben den Tod nur als etwas Schreckliches. Wir erleben schon als Kind, dass der Tod auch etwas Ruhiges und Beruhigendes, sogar etwas Erlösendes sein kann. Das habe ich von klein auf schon mitgekriegt“, erzählt Kuhlmann, wie er schon in frühen Jahren an seine spätere Berufung herangeführt worden war. So steht auch schon die nächste Generation in den Startlöchern, um das von Carsten Kuhlmann und seiner Frau Petra geführte Familienunternehmen weiter zu führen. Während der jüngere Sohn Jonathan noch die Schule besucht, absolviert der mit 17 Jahren zwei Jahre ältere Filius Georg eine Ausbildung im heimischen Betrieb.

Bereits 1876 gründete Heinrich Carl Georg Emil Kuhlmann, der Urgroßvater des heutigen Betriebsinhabers, das Unternehmen. „Ich glaube, ich bin mittlerweile in der fünften Generation tätig, wir sind uns da nicht so hundertprozentig schlüssig sagt Kuhlmann mit einem Schmunzeln. „Mein Vater hat als Kind noch in den Särgen gesessen und die Seitenwände bei der Montage gehalten“, erzählt der 49-Jährige von den alten Zeiten, als die Bestatter ihre Särge noch selbst gefertigt hatten. Mittlerweile bezieht Kuhlmann wie die allermeisten seiner Kollegen die Särge von speziellen Fertigungsunternehmen. Ansonsten aber „machen wir von der Wiege bis zur Bahre alles für unsere Kunden“, sagt Kuhlmann, der sich entsprechend nicht als reiner Bestatter, sondern eher als universeller Tischler versteht. Bereits 1993 hat Kuhlmann seine Meisterprüfung als Schreiner abgelegt. Der Meister im Bestatterhandwerk folgte dann 2015. Dass er dadurch von manchem Kollegen etwas spöttisch als „Bleistift-Bestatter“ bezeichnet wird, der häufiger in Handwerkerkluft als im branchenüblichen schwarzen Anzug anzutreffen ist, nimmt Kuhlmann gelassen. Für ihn haben die beiden Bereiche seiner Arbeit ohnehin weit mehr Berührungspunkte, als sich zunächst vermuten ließe. „So sehr unterscheiden sich die beiden Berufe Tischler und Bestatter gar nicht – zumindest bei mir nicht. Wir haben schon immer in den intimsten Bereichen unserer Kunden gearbeitet, indem wir zum Beispiel im Schlafzimmer Geheimfächer in Schränke eingebaut haben, wo die Kunden ihre Wertgegenstände sicher verwahren können. Wir waren also schon immer in sensiblen Bereichen unterwegs“, sagt Kuhlmann.

Dass sich der Negenborner Bestatter neben seinen beruflichen Verpflichtungen nun auch als Fachausschussmitglied im Bundesverband aktiv in die Weiterentwicklung seines Berufsstandes einbringt, scheint scheint im Gespräch mit dem gesellschaftlich vielseitig engagierten Kuhlmann fast schon als logische Konsequenz. Er sei zwar erst durch einen Anruf seines Vorgängers als Tischler-Obermeister Dieter Dörrier zu der Position im Fachausschuss „wie die Jungfrau zum Kinde gekommen“, sagt Kuhlmann. Die ehrenamtliche Einsatzbereitschaft liegt dem in der freiwilligen Feuerwehr und im Kirchenvorstand engagierten Handwerker allerdings im Blut. „Richtung Jornalismus, vielleicht sogar Politik“ lautet denn auch die naheliegende Antwort auf die Frage, was er heute beruflich machen würde, wäre er nicht Tischler und Bestatter geworden. Etwas anderes als seinen heutigen Beruf wollte Kuhlmann allerdings ohnehin nicht machen – dafür ist er viel zu sehr mit der Familientradion verwoben. Für Kuhlmann geht es jedoch nicht nur um den bloßen Erhalt des traditionellen Erbes, sondern auch um Weiterentwicklung und die Anpassung an sich ändernde Zeiten. So bedient die Tischlerei Kuhlmann einerseits „die ursprünglichen Tätigkeiten des Tischlereihandwerks“, wie auf der betriebseigenen Website www.tischlerei-kuhlmann.de zu lesen ist. Dazu gehören unter anderem Türen, Treppen oder Einbauschränke sowie Innenausbau- und Reparaturarbeiten. Darüber hinaus hat bereits Kuhlmanns Vater Robert energiesparende Baustoffe ins Zentrum der unternehmerischen Leistungen gesetzt. Heute bilden neben dem Bestattungswesen sowie dem Möbel- und Küchenhandel der Einbau von in der Tischlerei selbst gefertigten Kunststofffenstern einen der wichtigsten Posten in der Angebotspalette des vielseitigen niedersächsischen Familienbetriebs.

Die Freude darüber, dass er mit seiner Frau Petra nicht nur sein privates Glück, sondern auch eine perfekte Ergänzung im beruflichen Umfeld gefunden hat, ist Kuhlmann im Gespräch anzuhören. Gefragt danach, wie denn seine Frau darauf regiert hatte, als er ihr seinen Beruf mitteilte, weiß der Bestatter eine amüsante Geschichte zu erzählen. „Meine Frau ist etwas ganz Besonderes“, sagt der Handwerker und erzählt mit einem Lachen, wie sich die beiden kennen gelernt hatten: „Meine Frau hatte sich mir zuerst als Verkäuferin im Lebensmittelbereich vorgestellt. Erst als wir uns schon etwas länger kannten und sie mitbekommen hatte, dass ich Bestatter bin, sagte sie mir, dass sie tatsächlich Fleischereimeisterin ist.“ So begann die gemeinsame Zukunft der Kuhlmanns, die sie nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Bereich zusammenführen sollte. Wie gut das klappt, zeigt nicht zuletzt ein im Jahr 2026 bevorstehendes Ereignis, auf das die beiden hinarbeiten – dann wird die Tischlerei Kuhlmann stolze 150 Jahre alt.